28. März 2010
Antinationales Sommercamp hoch 3
| 28. Juli 2010 | bis | 4. August 2010 |
Statt schon wieder dieses fürchterliche 'Sommermärchen": Ferien von Deutschland machen
(CAMP IST VOLL, sorry, auch die Nachrücker*innenliste. Nur noch möglich: Vom 1.-4. August gibts noch paar Plätze, wenn Interesse hierfür besteht, Mail an info@junge-linke.de)
Wir wollen deswegen auf das Camp der NFJ Berlin hinweisen, wo jungelinke mit vier Workshops vertreten sein wird.
Und das wird es auf dem dem Antinationalem Sommercamp geben: Eine Woche lang Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion, Freibad und Argumente. Täglich werden zweimal zu vernünftigen Zeiten vier bis sechs parallele Workshops angeboten, die wie im echten Leben in Konkurrenz stehen zu Schwimmen, Schlafen, Spaziergängen, Kickern, Karaoke und Lagerfeuerromantik (letzteres sehr umstritten). 
Es wird über sechzig Workshops u.a. zu folgenden Themen geben (wird laufend aktualisiert, dh kommen noch weitere Themen hinzu, wie wir auch noch andere Gruppen/Personen angefragt haben): Drogenpolitik, Biologismus, Neue Musik, Geschichte der Grünen, Freud, Extremismusdebatte, politischer Veganismus, Bevölkerungspolitik á la Sarrazin, die Emo-Bewegung in Russland, Links- und Rätekommunismus, Götz Alys Faschismusanalyse, staatliche Anti-Raucher*innenpolitik, Krankheit&Behinderung als Super-GAU des bürgerlichen Individuums, Demokratie, Männerphantasien und Bürger*innenängste in 'Fight Club', Kritik des (Menschen-)Rechts, Konsumkritik, sexuelle Gewalt, Oktoberrevolution, Russlands Energiewirtschaft, Afghanistan-Krieg, Einführung in die Kapitalismuskritik, die Arbeiter*innenselbstverwaltung in Jugoslawien, die Roten Khmer, imperialistischer Humanismus, staatliche 'Ausländer'*innenpolitik, Einführung in den Rechtstaat, Nationalismus, Staatsverschuldung, Sozialstaat, Kritik an den Bildungsprotesten in Deutschland und Österreich, Klima- und Umweltpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Schulkritik, staatliches Strafen, Gentrifizierung, Bioethik und Patientenverfügungen, Einführung in das 'Kapital' von Marx, Einführung in den Imperialismus, Sonderwirtschaftszonen in China, Lobbyismus.
Zudem haben wir verschiedene Gruppen und Einzelpersonen eingeladen, Workshops zu bestreiten. Zugesagt haben bislang:
Andrea Trumann (Verfasserin u.a. des Buches Feministische Theorie – Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus) wird zum Verhältnis von Produktion und Reproduktion einen Workshop anbieten.
Ein Redakteur der Zeitschrift MAGAZIN, der über einen in den 1970er Jahren erstellten Plan von Beschäftigten des britischen Rüstungskonzerns Lucas Aerospace, wie sie mit den von ihnen gehandhabten Produktionsmitteln zu sinnvolleren Zwecken als der Herstellung von Waffen gebrauchen könnten, referieren wird.
Die Gruppe [pæris] fragt in ihrem Workshop: Wo bitte geht's hier zur Befreiten Gesellschaft?
Sonja Witte und Melanie Babenhauserheide werden eine Einführung in die Freudsche Psychoanalyse in Hinblick auf Sexualität, Geschlechterverhältnis und Subjektkonstitution anbieten.
Die Falken Erfurt werden in einem Workshop Aufstieg und Niedergang der situationistischen Kritik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung von den frühen fünfziger bis späten achtziger Jahren in den Blick nehmen.
Ein Referent der Gruppe …nevergoinghome. wird über den Nationalheld Stauffenberg oder Warum der 20. Juli vielen Deutschen so wichtig ist einen Workshop anbieten.
Mats Wiards, Leipzig, wird einen Workshop anbieten, Thema noch N.N.
Organisatorisches: Das Camp findet in Niedersachsen statt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Wir versuchen auch ne Autoplatzbörse zu organisieren, derzeit gibt es Autoplätze aus Berlin und Köln. Übernachtung in Betten oder selbst mitgebrachten Zelten. Die Anlage ist leider nur bedingt rollstuhlgerecht. Der Teilnahmebeitrag beträgt je Tag 5-8 Euro für Zeltende und 10-12 Euro für Bettennutzer*innen, je nach Selbsteinschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten. Materialien und Vollverpflegung inklusive. Organisierte Selbstverpflegung, manchmal kochen und abwaschen, aber täglich essen, stets auch vegetarisch (und auf Ansage vegan). Vorhanden sind Tagungsräume, Kicker, Billardtisch, Tischtennisplatte, WLAN, Felder drumherum, Grillplatz mit Steinofen für lecker Pizza, Kinoraum, Musik- und Veranstaltungsraum mit Instrumenten und Anlage, große Rasenfreifläche für sonst was und ein Freibad in Fußnähe, mit dem wir Sonderpreise aushandeln werden. Hunde werden angeleint geduldet. Das Camp findet mit freundlicher Unterstützung der Jungle World statt.
Hier die Ankündigungen eines Teils der Workshops (wird auch laufend aktualisiert)
Hauptsache gesund! Krankheit, Behinderung als Super-GAU des bürgerlichen Individuums Das Wichtigste im Leben ist doch die Gesundheit. Klar, Kranksein ist doof, und dass Krücken als unsexy gelten, das weiß jeder, der schon mal einen Sportunfall hatte. Krank oder behindert sein will niemand. Nicht umsonst gibt es die Dauer-Debatte um die Sterbehilfe, denn trotz Lebensschutz-Primats ist Konsens: „An Schläuchen hängen – niemals“. Die damit verbundene Abhängigkeit ist DAS Katastrophenszenario des sich als frei gerierenden bürgerlichen Individuums. Kein Wunder, dass die Repräsentanten dieser Katastrophe Unbehagen erzeugen. Abscheu, Mitleid, Bewunderung – sind vielfältig und oft extrem. Was sind die Stereotypen rund um abweichende Körperlichkeit? Was bedeutet der (intakte) Körper im Kapitalismus? Und was bringen die Behindertenbewegung, Rampen und Integrationsjobs?
We don't want a piece of cake – we want the whole fucking bakery! Eine Einführung in die Kapitalismuskritik Warum gibt es neben dem Reichtum in den kapitalistischen Gesellschaften soviel Armut? Warum sorgt der technische Fortschritt nicht für mehr Muße, sondern gleichzeitig für Arbeitslosigkeit für die einen und für Überstunden für die anderen?
Nichtraucher – ein Beispiel für Gesundheit als Stahlbad Wer dem Staat bei seiner Argumentation gegen die Schlechtigkeit des Tabakrauchs folgt und dessen Beschränkung Sympathie zollt, der hat schon mindestens zwei Fehler gemacht.
Wenn rechts gleich links ist: Extremismus Nicht nur die Bundesregierung macht mobil gegen rechten, linken, ausländischen und religiösen Extremismus – was soll das eigentlich sein?
Wie sie wurden, was sie immer waren: Die Grünen
Links- und Rätekommunismus Die Links- oder Rätekommunisten werden in den letzten Jahren wieder verstärkt diskutiert. Was ist an ihrer Kritik des Leninismus dran und was lässt sich mit ihren Theorien über Staat & Nation anfangen?
Wo bitte geht's hier zur Befreiten Gesellschaft? Befreite Gesellschaft, da wollen wir hin, und stecken auch jede Menge Energie und Zeit rein, um das voranzubringen. Der Erfolg ist bescheiden, aber die Umstände zugegebenermaßen widrig. Grund genug, die eigene Strategie* zu überdenken, ist das meist nicht. Gibt es in der radikalen Linken aber überhaupt ein planvolles Nachdenken, wie man dieses Ziel sinnvollerweise erreichen kann? Zum Teil macht es eher den Eindruck, dass man sich mit der eigenen gesellschaftlichen Irrelevanz abgefunden hat. Einen Durchmarschplan haben wir leider nicht, aber das Bedürfnis, das Projekt etwas ernster zu nehmen und unser Denken nicht nur auf die Frage zu lenken, was noch alles Widerliche dieser Gesellschaft aus Konkurrenz und Ideologie erklärt werden kann. Also das Bedürfnis darüber nachzudenken, wie wir uns das eigene Wirken so vorstellen, was die Schranken sind und ob dazu nicht doch mehr zu sagen ist, als dass die Umstände eben widrig sind. (Ein Workshop der Gruppe [pæris])
* Strategie ist laut Wikipedia ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben eines Ziels unter Berücksichtigung der verfügbaren
Mittel und Ressourcen.
„Du musst nicht mehr in die Schule gehen“ – Kritik der Schule im Kapitalismus Früh morgens aufstehen – Angebrüllt werden oder verständnisvolle Lehrerinnen ertragen – Klausuren und Noten – Sich auf Kommando sportlich betätigen – „Pubertär” oder „engagiert“ genannt werden – Ex-linke LehrerInnen – Bleierne Langeweile – Mitschüler_innen als Konkurrenten – Auf Konstruktivität verpflichtet werden – Staatsbürgerkunde. Darüber wollen wir mit euch diskutieren, nur für Leute bis 20.
Zum Verhältnis von Produktion und Reproduktion Im Workshop soll es um das Verhältnis von Produktion und Reproduktion gehen, wofür Teile aus dem 21. Kapitel des 'Kapitals' von Karl Marx gelesen werden, wo dieses Verhältnis in der Weise beschrieben wird, dass das Private politisch sei oder, wie Marx es ausdrückt, "die individuelle Konsumtion des Arbeiters ein Moment der Produktion und Reproduktion des Kapitals bleibt, ob sie innerhalb oder außerhalb des Arbeitsprozesses vorgeht. (…) Es tut nichts zur Sache, daß der Arbeiter seine individuelle Konsumtion sich selbst und nicht dem Kapitalisten zulieb vollzieht". Jedoch steht bei Marx nicht, warum die Produktion und Reproduktion der Ware Arbeitskraft sich innerhalb der Familie und in Form geschlechtlicher Arbeitsteilung vollzieht. Dazu schreibt Marx nur: "Die beständige Erhaltung und Reproduktion der Arbeiterklasse bleibt beständige Bedingung für die Reproduktion des Kapitals. Der Kapitalist kann ihre Erfüllung getrost dem Selbst-und Fortpflanzungstrieb der Arbeiter überlassen." Um dies zu klären soll dann ein Ausschnitt aus "Autorität und Familie" von Max Horkheimer gelesen und diskutiert werden. (Ein Workshop von Andrea Trumann (Verfasserin u.a. des Buches Feministische Theorie – Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus))
Alles für die Volksgesundheit – Kritik der Drogenpolitik Wer Drogen nimmt, müsse dafür problematische Gründe haben – so der Konsens von links bis rechts. Wir setzen der allgegenwärtigen Polemik gegen Drogenhandel und -konsum eine grundsätzliche Kritik der Drogenpolitik entgegen.
I like my blue jeans, why don't you? – Feindbild No. 1: USA Allgegenwärtig waren im Zuge des Irak-Kriegs ständige Hasstiraden gegen die USA: Blut für Öl, Raubtierkapitalismus und nicht mal das Kyoto-Protokoll unterschreiben. Obendrein verseuche Hollywood die Köpfe und McDonalds die Mägen. Wir wollen in dem Workshop fragen, was an den USA eigentlich so kritisiert wird und warum.
Nationalheld Stauffenberg – Warum der 20. Juli vielen Deutschen so wichtig ist Im Streit um die richtige Deutung der Geschichte geht es nicht einfach um die korrekte Darstellung der Vergangenheit, sondern im nationalen Erinnern stecken immer auch Appelle für die Gegenwart. Wie erinnerungspolitische Diskurse funktionieren und welchen politischen Konjunkturen sie unterliegen, soll am Beispiel des Gedenkens an Stauffenberg von 1950 bis heute aufgezeigt werden. Daran lässt sich die Frage diskutieren, ob Erinnerungspolitik überhaupt ein sinnvolles Betätigungsfeld für eine radikale Linke sein kann und wenn ja, wie sie aussehen könnte. (Ein Workshop eines Referenten von der Gruppe …nevergoinghome.)
Hüdelditüdeldie-tweng! Tirelit – Ist die Neue Musik politisch? Freunde und Feinde der neuen Musik halten sie für verstörend. Aber ist das schon politisch oder doch nur Gesinnungsmusik?
"wenn wir Reis haben, haben wir alles" – die Roten Khmer
Pol Pot und seine Genossen und vor allem ihr mörderisches Treiben sind zum Standardargument dafür geworden, warum radikale Veränderung von Gesellschaft notwendig in Folter, Mord und Elend enden muss. Unter den Tisch fällt zumeist, was die roten Khmer eigentlich wollten und was ihnen an der bestehenden Ordnung in Kambodscha nicht gefallen hat. Das wäre aber nötig zu wissen, um zu kapieren, wie Leute, die sich auf Marx und Lenin beriefen, auf die Idee kommen konnten, Brillenträger als bürgerliche Intellektuelle umbringen zu lassen und ganze Städte aufs Land umzusiedeln.
Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung/Antispeziesismus/politischer Veganismus Das politische & theoretische Spektrum der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung soll vorgestellt & diskutiert werden: Tierrecht & Tierethik; poststrukturalistischer – sowie marxistisch/kritisch-theoretischer Antispeziesismus. Zu diskutieren wird u.a. sein, ob eine „Befreiung der Tiere“ tatsächlich ein notwendiger Schritt für eine herrschaftsfreie Gesellschaft ist – oder ob die „Antispe-Gruppen“ der autonomen Szene bewußtlos selbst eine Naturalisierung bürgerlicher Herrschaftskategorien betreiben.
Sexualität, Geschlechterverhältnis und Subjektkonstitution in der Freudschen Psychoanalyse – Eine Einführung "Freuds Psychoanalyse und ein Witz haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nicht zusammenfassen. Wer über die Pointe lachen will, muss zuvor den ganzen Witz hören. [...] Die Psychoanalyse hingegen lediglich als Konglomerat von Freuds 'Ergebnissen' oder 'Irrtümern' (je nachdem) darzustellen, hieße, die Pointe ohne den Witz zu erzählen." (Peter Schneider)
Noch eines haben der Witz und die Psychoanalyse gemeinsam: Um zur Pointe zu gelangen stellen vorschnell gefasste Standpunkte meist ein Hindernis dar. So wird der Psychoanalyse vorgeworfen, dass sie ein patriarchales Frauenbild habe – damit wird oft vor lauter moralischem Eifer die Analyse mit dem politischen Programm verwechselt. Wir wollen in unserem Workshop zunächst die sonst gängigen Vorstellungen in linkradikalen Zusammenhängen an Freud (Freud war ein Frauenfeind; Die Psychoanalyse reproduziert das bürgerliche Geschlechterverhältnis; der Ödipuskomplex ist eine männliche Erfindung und daher antifeministisch; Freud blendet die gesellschaftlichen Verhältnisse aus) zunächst zur Seite stellen. Wir möchten in unserem Workshop die Möglichkeit geben, erst einmal bestimmte Aspekte des Freudschen (und an Freud ausgerichteten) Denkens gemeinsam durchzudenken: Was haben psychoanalytische Ansätze zu sagen zur Ontogenese von (Geschlechts-)Identität? Was bedeutet Sexualität und Subjektkonstitution in der triebtheoretisch ausgerichteten Psychoanalyse? Wir gehen dabei davon aus, dass die oben genannten vereindeutigenden Urteile über die Freudsche Psychoanalyse das Beste der Psychoanalyse, ihre Pointe, verpassen. (Ein Workshop von Sonja Witte und Melanie Babenhauserheide)
Biologismus I – vom Fehlen der Gesellschaft in der Anlage – Umwelt – Debatte Bei der immer wieder auftretenden Streitfrage, ob der Mensch nun durch die Gene oder die Erziehung bestimmt sei, entgeht den meisten die Pointe, dass beide Vorstellungen die Handlungsfreiheit des Menschen negieren.
Biologismus II – oder warum die Kritik am Biologismus doch nicht so einfach ist Auch Menschen die plumpen Biologismen (Männer – Frauen) kritisch gegenüber stehen, gehen den scheinbar ganz biologisch begründeten Biologismen häufig dennoch auf den Leim.
Biologismus III – vom natürlichen Scheinen der kapitalistischen Produktionsweise Warum die Vorstellung von der Natürlichkeit der kapitalistischen Gesellschaft „natürlich“ eine gesellschaftliche ist. Oder: warum diese sich selbst als eine durch Naturgesetze bestimmte darstellt.
Die Fabrik gehört uns! – Und was machen wir dann? Die alte Arbeiterbewegung forderte die „Befreiung der Arbeit“ von den Fesseln der kapitalistischen Eigentumsordnung. Die neuen revolutionären Bewegungen nach dem 2. Weltkrieg forderten dagegen oftmals die „Abschaffung der Arbeit“. In den 1970er Jahren entwarfen die Beschäftigten des britischen Rüstungskonzerns Lucas Aerospace einen detaillierten Plan, wie sie die von ihnen gehandhabten Produktionsmitteln zu sinnvolleren Zwecken als der Herstellung von Waffen gebrauchen könnten. Ob es sich bei diesem Versuch um eine Aufhebung des oben angedeuteten Widerspruchs, oder um ein weiteres Beispiel für langweiligen Reformismus handelte, soll diskutiert werden. (Ein Workshop eines Redakteurs der Zeitschrift MAGAZIN)
Die Fabriken den Arbeitern
Jugoslawien galt bis weit in die 1970er Jahre vielen als Alternative zum Staatssozialismus: Arbeiterselbstverwaltung, demokratische Kontrolle verbunden mit einem hohen Lebensstandard und vergleichsweise geringer Repression. Was wollten die jugoslawischen Kommunisten mit ihrem System, wie funktionierte es und woran zerbrach es?
Die Oktoberrevolution 1917 "Und das war im Oktober, als das so war…" – sang mal der "Oktoberclub". Aber was genau sich "im Oktober" 1917, sowie davor und direkt danach ereignete, dazu haben viele Linke recht fragmentarisches Wissen. In diesem Workshop soll es um die revolutionäre Entwicklungen in Russland zwischen dem Sturz des Zaren in Februar 1917 und dem Beginn des landesweiten Bürgerkrieges im Frühling 1918 gehen. Der Schwerpunkt wird auf die verschiedenen Konzeptionen der Verwirklichung des Sozialismus (Bolschewiki, Sozialdemokraten, Sozialrevolutionäre, Anarchisten), die Rolle der Räte sowie die Transformation der bolschewistischen Parteitheorie in der revolutionären Situation liegen. Auch die Wahrnehmung der russischen Ereignisse durch marxistische Theoretiker im Westen wie z.B. Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci soll unter die Lupe genommen werden.
Staatsverschuldung Woher kommt die immense Freiheit des Staates beim Verschulden? Welche politische und ökonomische Logik folgt daraus? Was ist los, wenn die Finanzmärkte das Vertrauen in einen Staat verlieren? Warum wird sich Sorgen um den Euro gemacht?
Humanistische Hilfe als imperialistischer Eingriffstitel Bei der erst besten Naturkatastrophe fällt nicht nur der UN ihre neue Einmischungspolitik ein, sondern auch andere interessierte „Helfer“ tanzen den Imperialismus.
Einführung in die Marx'sche Kritik der Politischen Ökonomie In diesem Workshop werden in zwei Teilen die Grundlagen der (Marx'schen) Kapitalismuskritik erklärt. Zunächst geht es allgemein um Gesellschaftstheorie und -kritik im Kapitalismus; danach wird sich ins "Kapital" von Marx gestürzt.
Die Geschichte der Situationistischen Internationalen Die Situationistische Internationale gilt heute als eines der ambitioniertesten Projekte einer radikalen Gesellschaftskritik nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Workshop soll es, anders als vielleicht der Titel suggeriert, nur am Rande um die Ereignisgeschichte der SI und die zahlreichen Anekdoten über sie gehen, sondern vielmehr darum, Aufstieg und Niedergang der situationistischen Kritik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung von den frühen fünfziger bis späten achtziger Jahren in den Blick zunehmen. Damit soll zugleich die Frage nach Form und Inhalt einer grundsätzlichen Kritik der kapitalistischen Gesellschaft aufgeworfen werden, die sich "auf der Höhe der Zeit" bewegt. (Ein Workshop von den Falken Erfurt)
1-Eurojobs – Ein Beleg für das Scheitern rot-grüner Arbeitsmarktpolitik oder ein passender Beitrag zur Umsetzung ihrer Ziele? „Wir haben 40, 4 Millionen Erwerbstätige, so viele wie noch nie. Und warum? Unter anderem, weil mehr Leute bereit sind, für weniger Lohn zu arbeiten. [...]es sind auch Stundenlöhne um die 10, 12 Euro gesunken, die in den Sog dieser Niedriglöhne gekommen sind. [...] Ich will nichts beschönigen. Ich bestreite nicht, dass es wichtig ist, das Lohnniveau zu halten. Aber Arbeit zu schaffen, ist noch wichtiger. Denn was nützen dem, der keine Arbeit hat, hohe Löhne?“ (Taz 29.10.2008, SPD-Politiker Lauterbach)
Die Agenda 2010 verstärke Armut und Ausgrenzung, so lautet eine gängige Kritik an den Hartz Reformen. Es wird der aktuellen Arbeitsmarktpolitik damit vorgeworfen, sie vergrößere Armut, statt diese zu bekämpfen, was doch die eigentliche Aufgabe von Arbeitsmarktpolitik sei oder jedenfalls sein müsse. Ein solches Ziel wie Armutsbekämpfung glauben manche der Kritiker dann sogar einzelnen Zielsetzungen wie „Verbesserung der Chancen auf Integration in den 1. Arbeitsmarkt“ oder ideologischen Formeln wie „Fördern und Fordern“ entnehmen zu können. Dass diese Kritik an den Hartz Reformen an der Zwecksetzung dieser Reformen vorbeigeht, soll in diesem Workshop insbesondere am Instrument 1-Eurojobs gezeigt werden. Es geht aber auch noch um eine grundsätzlichere Frage, nämlich: Ist es ausreichend, besonders üble Mitteln von Arbeitsmarktpolitik zu kritisieren, wenn man sich daran stört, wie dreckig es Arbeitslosen geht?
Lobbyismus In unseren Flugis kommt öfter der flapsige Satz vor, dass sich die Politiker und die Kapitalisten nicht jeden Donnerstag im Hinterzimmer treffen, um die neuesten Gemeinheiten auszuhecken. Das richtet sich gegen eine nicht nur in der Linken weit verbreitete Vorstellung, nach der die Politiker nur die Marionetten der reichsten Unternehmer seien. Diese Vorstellung hat in letzter Zeit wieder einige Nahrung bekommen: Man kann in den Zeitungen lesen, dass sich Merkel mit Ackermann zum Geburtstagsplausch trifft; dass Unternehmer sich ein Zusammentreffen mit wichtigen Politikern scheinbar durch eine Spende ermöglichen können; dass bei der Ausarbeitung von Gesetzestexten Unternehmensberater einbezogen werden, wenn nicht gleich eine Privatkanzlei den Gesetzesentwurf formuliert. Und der Altkanzler Schröder und der ehemalige Außenminister Fischer entdeckt man plötzlich als Berater von Energiekonzernen wieder. Im Workshop sollen diese Phänomene diskutiert werden. Gerade an den Berührungspunkten von erfolgreichen Geldverdienern und Machtinhabern soll versucht werden, die Trennung von Ökonomie und Politik darzustellen.
Konsumkritik Kritik an der Art, wie produziert wird, gibt es eine Menge. ZB. daran, dass in Sweatshops zu miserablen Bedingungen Turnschuhe in Trikont-Ländern hergestellt werden, die man hier zum Spottpreis kauft. Tier und Umwelt wird auch übel mitgespielt, nur damit „wir“ konsumieren können. Um das zu ändern, empfehlen allerlei Kampagnen dem Konsumenten bewusstes Einkaufen. Er solle nur für Dinge bezahlen, die unter guten Bedingungen produziert wurden. Das Problem daran ist kein Mangel an guter Absicht. Sondern: Vieles Kritikable wird durch die Hintertür für gut befunden. Doch warum man mit einer konsequenten Kritik an Armut und Umweltzerstörung nicht bei einer Konsumkritik-Kampagne, sondern bei einer Kapitalkritik rauskommt, wollen wir in diesem Workshop diskutieren.
Antisemitismus in der bürgerlichen Gesellschaft Viele Leute, die ihrer Nation Erfolg wünschen, sind nicht nur Rassisten, sondern erklären "den Juden" nochmal zum besonderen Feind. Was ihnen hier nicht passt, gilt als Folge jüdischen Einflusses.
Nazi-Deutschland: ein Volk von Materialisten? – Götz Alys Faschismus-Theorie und ihr realpolitischer Gebrauchswert Vorgestellt und diskutiert werden soll Alys Buch „Hitlers Volksstaat“, das vor einigen Jahren breit diskutiert wurde, und die politische Funktionalität der sog. Vergangenheitsbewältigung. Aly begreift den von den Nazis ausgebauten Sozialstaat als Bestechungsinstrument fürs Volk – und verklärt damit die politischen Zwecksetzungen von damals wie von heute.
Sozialstaat Warum braucht es einen Sozialstaat? Wobei hilft der Sozialstaat und wieweit reicht diese Hilfe? Warum geraten seine Leistungen immer wieder in das Zentrum politischer Debatten (Hängematte, Faulenzer)?
Klima- und Umweltpolitik Wenn es um internationale Klimapolitik geht, stößt mensch bald auf einen Widerspruch: einerseits betonen die Regierungen der Staaten, dass es nichts Dringlicheres gäbe, als jetzt aktiv Umweltschutz zu betreiben. Andererseits trifft mensch in der Praxis eine ganze Reihe Kompromisse und den Unwillen der Regierungen an, tatsächliche Reduktionen zu beschließen. An diesem Abend soll die Frage beantwortet werden, warum es zu diesem ständigen Missverhältnis von Bekenntnis und praktischer Politik kommt. Als Verursacher umweltschädigender Einflüsse stehen in der internationalen Klimapolitik vor allem die nicht erneuerbaren Energiequellen zur Debatte. Hier wollen wir uns anschauen, worin die Besonderheit der Ressource Energie liegt, warum die Suche nach Alternativen nicht allein durch den Umweltschutz erklärt werden kann und auch nicht nur solche Energiequellen gefördert werden, die sich als klimafreundlich erweisen. Zuletzt sollen die verbale Sorge und praktische Gleichgültigkeit der Industrienationen gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels für die Menschen in den Trikontländern zum Thema gemacht und diskutiert werden, was das Motiv ihrer finanziellen und technischen „Unterstützung“ ausmacht.
Kritik des (Menschen-)Rechts Menschenrechte haben einen guten Ruf, auch bei Linken. Kritisiert wird i.d.R. nur ihre „mangelnde Durchsetzung“. Wir wollen untersuchen, welche Funktion sie für die kapitalistische Einrichtung der Welt erfüllen und was ihre Existenz über die Gewalt der Gesellschaftsordnung verrät.
Schöner Sterben? – Die Patienten-Verfügung als neue Bürger-Grundausstattung Die Angst geht um vor einer seelenlosen Apparatemedizin, die Menschen vereinsamt sterben lässt. Was hat der Run auf die Patientenverfügung mit Gesundheitsökonomie und Gesundheitsidealen in der kapitalistischen Gesellschaft zu tun?
Der Krieg in Afghanistan Seit 2001 führt die NATO zusammen mit Partnerländern in Afghanistan einen Krieg. Ende 2009/Anfang 2010 diskutierten diese Kriegsparteien über den Sinn und Zweck dieses Krieges. Haben die denn vorher nicht gewusst, warum sie Menschen totschießen und sich totschießen lassen wollen? Gerade die deutsche Regierung putzt sich gerne als zivile Kriegspartei heraus. Statt einfaches Draufhauen, würden sie Aufbauhilfe für die Menschen in Afghanistan leisten. Kann das stimmen, wenn zugleich die wichtigste Einkommensquelle von Bauern, der Opiumanbau, konsequent kaputt gemacht wird? Ein Workshopangebot über einen Krieg, der ohne Kriegsgeilheit in der Bevölkerung fortläuft — was die Sache auch nicht besser macht.
Zum Verhältnis von Sexismus und Kapitalismus
Die seit 1-2 Jahrzehnten im Feminismus vorherrschende poststrukturalistische Strömung (Judith Butler & Queer) behauptet als Grund des Sexismus eine „kulturelle Matrix“ im „gesellschaftlichen Diskurs“. Diese „Erklärung“ finden wir falsch. Uns geht es dem gegenüber um eine materialistische Kritik des Geschlechterverhältnisses, in der Kapitalismus und seine politische Gewalt, der Staat, eingedacht sind. Dass alle Menschen in Männer und Frauen sortiert werden, denen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Rollen-Zuschreibungen entsprechen, ist der logische Ausgangspunkt des Sexismus. Die geschlechtliche Sortierung prägt das Denken, Fühlen, Verhalten aller. Mittlerweile wurden Frauen den Männern rechtlich gleichgestellt. Das änderte jedoch nichts daran, dass in den Chefetagen überwiegend Männer und in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, in Teilzeit überwiegend Frauen zu finden sind. Das führt u.a. dazu, dass Frauen eine entsprechend geringere soziale Sicherung im Alter und bei Erwerbslosigkeit haben. Durch Gesetze (z.B. familienbezogene Steuerpolitik: z.B. Ehegattensplitting) gestaltet der bürgerliche Staat Geschlechterverhältnisse mit, indem er die Kleinfamilie als Reproduktionsort der Ware Arbeitskraft fördert. Familie ist der Ort, in dem die Geschlechterrollen erstmalig vermittelt werden. In Kulturindustrie und sozialer Realität (Schule, Sportvereine, Freundeskreise, Arbeitsverhältnisse, Beziehungen, Politgruppen etc.) werden die Geschlechterrollen vorausgesetzt und reproduziert. Wir denken sowohl, dass Sexismus nicht aus dem Kapitalverhältnis abzuleiten ist, als auch, dass Sexismus nicht vernünftig zu begreifen ist, ohne das Kapitalverhältnis mitzudenken. In den Arbeits- und Lebensverhältnissen materialisiert sich der Sexismus und wird zu einer gesellschaftlich wahr gemachten Lüge. Mit Abschaffung des Kapitalismus verschwindet der Sexismus nicht einfach (schön wär´s), aber seine wichtigste materielle Verankerung würde aufgelöst. Im Workshop wollen wir zwei Input-Referate machen (unser Sexismus-Begriff & zum inneren Zusammenhang von Sexismus und kapitalistischer Vergesellschaftung), und dann offen über die Thematik diskutieren.